Sep 17, 2019 Last Updated 11:38 AM, Sep 10, 2019

Einhängen und los geht’s?

FH Münster testet die Usability von Patientenliftern

 

Münster/Steinfurt (19. August 2019). Sie stehen für körperliche Entlastung im Berufsalltag – und trotzdem setzen Pflegekräfte sie nur selten ein: Die Rede ist von Patientenliftern. Mit ihrer höhenverstellbaren Stangenkonstruktion, dem Untersatz auf Rollen und einem Tuch, in dem der Patient von A nach B getragen werden kann, muten sie wie ein Mini-Kran an. Und sie versprechen, ein gutes Hilfsmittel zu sein, das vor allem den Rücken schont. Eigentlich. „Wir haben das Feedback aus den Gesundheitseinrichtungen bekommen, dass die Anwenderakzeptanz von Patientenliftern seitens der Pflegekräfte nur sehr gering ist“, sagt Lorenz Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Zentrum für Ergonomie und Medizintechnik (ZEM) an der FH Münster. „Wir fragen uns, woran das liegt, und das führt uns weiter zu der Frage, wie gut oder schlecht die Lifter gestaltet sind.“

Für die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat Müller deshalb zusammen mit seiner Kollegin Elisabeth Ibenthal und der Masterstudentin Saskia Sobkowicz einen großen Usability-Test durchgeführt: Mit insgesamt 40 Pflegekräften aus dem Münsterland, die zwölf verschiedene Patientenlifter ausprobiert haben. Dahinter steckt das Ziel, Gesundheitseinrichtungen einen Überblick über die Gestaltung aktueller Patientenlifter zu geben. Diese Informationen wären eine gute Basis, um mehr ergonomisch gestaltete Medizinprodukte in die Einrichtungen zu holen, die die Pflegekräfte auch wirklich verwenden.

Jede teilnehmende Pflegekraft testete deshalb drei Lifter mit je drei verschiedenen Szenarien: erstens den Transport vom Bett in den Rollstuhl, zweitens vom Rollstuhl auf die Toilette, drittens vom Boden – zum Beispiel nach einem Sturz – zurück ins Bett. Im Fokus beziehungsweise im hängenden Tuch: ein Patientendummy mit 47 Kilo realverteiltem Gewicht. „Mit einem lebenden Patienten ist es schon anders, klar, aber der Dummy ist für jeden Menschen gleich zu handhaben, und das war wichtig, um unsere Ergebnisse vergleichen zu können“, erklärt Müller.

Denn er und Sobkowicz beobachteten die Pflegekräfte, wie sie 14 Handlungsschritten pro Szenario absolviert haben – wie Bremsen lösen, Tücher einhängen, den Lifter hochfahren – und bewertet im Anschluss, wie effektiv sie diese ausführen konnten. Einen Punkt bekam der Handlungsschritt, wenn er ohne Probleme und intuitiv klappte. Zwei Punkte, wenn die Pflegekräfte in die Bedienungsanleitungen geschaut oder einen Bedienfehler selbstständig korrigiert haben. Und drei Punkte, wenn es einen nicht korrigierten Bedienfehler gab oder die FH-Vertreter helfend eingreifen mussten. Daraus errechnete das Team die Erfolgsrate in Prozent. „Es gab Unterschiede in der Gestaltung der Lifter, aber es war auffällig, dass viele Pflegekräfte Probleme damit hatten, die Tücher einzuhängen. Bei einem Patientenlifter hat das nur in zwei Dritteln der Fälle geklappt.“

Neben der systematischen Erhebung zur Effektivität ließen Müller und Sobkowicz noch einen Fragebogen ausfüllen, nämlich zum subjektiven Empfinden über den jeweiligen Lifter. „Das ermöglicht es uns, die Anwenderakzeptanz je Lifter zu verallgemeinern. Und die Daten geben uns Auskunft über verschiedenste Faktoren, die die Pflegekräfte beim Einsatz stören“, erläutert Müller.  „Einige betonen, dass sich der Lifter in die natürlichen Arbeitsabläufe integriert, und sie finden es gut, wenn sich die Breiteinstellung der Füße elektrisch und nicht mechanisch ändern lässt. Die verschiedenen Hakentypen, an denen man die Tücher befestigt, kommen auch ganz unterschiedlich an.“ Ein häufiger Kritikpunkt ist die Tuchgestaltung. „Viele Pfleger haben die Empfindung, die Tücher seien nicht richtig sicher oder zu aufwendig in der Reinigung. Und sie bewerten häufig in Hinblick auf das Patientenwohl.“

Herausgekommen sind Gesamturteile als Zahlen – für die Erfolgsraten beim Einsatz der Lifter insgesamt Werte zwischen 88 und 95 Prozent. Die Anwenderakzeptanz schwankte mit 49 bis 86 von 100 möglichen Punkten stark. In Kombination geben die Werte Auskunft über die Patientenlifter-Usability. „Damit ist das Projekt aus unserer Sicht abgeschlossen, aber die kompletten Ergebnisse veröffentlicht die BGW noch.“ Müller wird diese dann im September zusammen mit Prof. Dr. Claus Backhaus beim BGW Forum in Hamburg präsentieren.

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Lorenz Müller und Saskia Sobkowicz haben den Usability-Test zu Patientenliftern geplant und durchgeführt. (Foto: FH Münster/Theresa Gerks)

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