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Who was who in nursing history: JESSOP, Violet Constance
JESSOP, Violet Constance
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 130-132.
 

Biographie

Die Lebensge­schichte der Rot-Kreuz-Schwester und britischen „Ste­wardess“ Violet Constance Jessop klingt unglaublich und grenzt schon an ein Wunder, über­lebte sie doch gleich drei schwere Schiffs-katastrophen – mit der RMS Olympic, der RMS Titanic und der HMHS Britannic – auf hoher See. Dabei war die im argentinischen Bahía Blanca am 2. Oktober 1887 als Tochter der irischen Emigranten William Jessop und Katherine Kelly Jessop geborene Violet be­reits in ihrer frühesten Jugend mit dem Tod konfrontiert worden. Drei ihrer acht Ge­schwister starben im Kindesalter, sie selbst erkrankte in jungen Jahren an einer lebensbe­drohlichen Tuberkulose und ihr Vater, der sich in der neuen Heimat eine Existenz als Schäfer aufbauen wollte, verstarb unerwartet. Ihre Mutter kehrte daraufhin mit den Kindern nach Großbritannien zurück und Violet absol­vierte eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Inzwischen arbeitete die Mutter als Schiffs­stewards für die Londoner Royal Mail Line. Als sie im Jahre 1908 schwer erkrankte, ver­ließ Violet die Schule, um als älteste Tochter die Familie finanziell zu unterstützen. Zu­nächst arbeitete sie wie ihre Mutter bei der Royal Mail Line, bevor sie 1910 zur White Star Line wechselte.

Am 20. September 1911 war Violet Jessop an Bord der Olympic im Ärmelkanal vor der Isle of Wight unterwegs, als diese mit dem briti­schen Kreuzer HMS Hawke kollidierte. Beide Schiffe wurden stark beschädigt, sanken je­doch nicht.

Sieben Monate später, am 14. April 1912, war sie eine der achtzehn Stewardessen an Bord der Titanic, als diese um 23.40 Uhr im Nord­atlantik mit einem Eisberg kollidierte und mit einem erheblichen Verlust an Menschenleben sank. Weil einige der Fahrgäste kein Englisch verstanden, sollte Violet Constance Jessop ihnen zeigen, wie man die Rettungsboote be­steigt. So saß sie im Rettungsboot Nr. 16, als ihr der 6. Offizier James Paul Moody ein Baby übergab und aufforderte, gut darauf aufzupassen, weil die Mutter im Evakuie­rungschaos verschwunden war. Violet drückte das wimmernde Bündel fest an ihre Kork­weste. Am nächsten Morgen, nach Stunden der Todesangst, wurden die Schiffbrüchigen von dem Passagierschiff RMS Carpathia ge­rettet und nach New York gebracht. An Bord entriss ihr eine Frau kommentarlos das Baby und rannte davon, ohne sich zu bedanken. Beide sah sie nicht wieder. Viele Jahre später erhielt sie aber einen Telefonanruf und eine Frauenstimme fragte, ob sie die Violet Jessop sei, die ein Baby von der Titanic gerettet habe. Als sie das bejahte, antwortete eine la­chende Stimme „Ich war das Baby“ – und legte auf.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) war Jessop als Krankenschwester für das Britische Rote Kreuz an Bord der HMHS Britannic tätig, die in der Ägäis unterwegs war. Am Morgen des 21. November 1916 erschütterte ein dumpfer Knall das Lazarettschiff, das aufgrund einer Explosion, die wahrscheinlich durch eine deutsche Seemine ausgelöst worden war, in weniger als einer Stunde sank. Violet Jessop saß in einem der beiden Rettungsboote, die in die noch rotierenden Schiffsschrauben gezo­gen wurden, konnte aber im letzten Moment herausspringen. Obwohl sie unter Wasser mit dem Kopf gegen den Kiel des sinkenden Schiffes schlug, schaffte sie es noch aufzutau­chen, so dass sie von Schiffbrüchigen eines anderen Rettungsbootes an Bord gezogen werden konnte. Zunächst schien sie nur am Bein verletzt. Erst als sie Jahre später mit ständigen Kopfschmerzen einen Arzt auf­sucht, entdeckte dieser eine verheilte Schädel­fraktur.

Nach dem Krieg arbeitete Violet Constance Jessop weiterhin für die White Star Line, später für die Red Star Line und dann wiede­rum für die Royal Mail Line. Sie war kurz verheiratet, wobei die Ehe kinderlos blieb.

Im Jahre 1950 setzte sich Violet Constance Jessop, nachdem sie 42 Jahre lang zur See gefahren war, im englischen Great Ashfield in Suffolk zur Ruhe, wo sie am 5. Mai 1971 im Alter von 83 Jahren an Herzversagen starb. Ihre Memoiren als eine der letzten verbliebe­nen erwachsenen Titanic-Überlebenden er­schienen erst 1997 unter dem Titel „Titanic Survivor“.


Literatur

Jessop, Violet: Titanic survivor. The newly discovered memoirs of Violet Jessop who survived both the Titanic and Britannic disasters. Introduced, edited and annotated by John Maxtone-Graham. Verlag Dobbs Ferry. Sheridan House 1997 (Reprint: The History Press. Stroud 2010).

Ossenkopp, Michael: Nicht unterzukriegen. Titanic-Stewardess überlebte drei Schiffsunglücke auf hoher See. In: Rhein-Neckar-Zeitung. Heidelberger Nachrichten, 68. Jg., Nr. 87, vom 14./15. April 2012, RNZ Magazin, Seite 3.

Stanley, Jo: With Cutlass and Compress: Women's Relations with the Sea. In: Gender & History, April 2000, Seite 232-236.

www.de.wikipedia.org/wiki/Violet_Jessop (Violet Constance Jessop) [06.10.2014].

www.encyclopedia-titanica.org/titanic-biography/vio let-constance-jessop.html (Miss Violet Constance Jessop) [06.10.2014].

www.enzyklo.de/2013/Begriff/Violet Jessop (Violet Jessop) [06.10.2014].

www.fr-online.de/untergang-der-titanic/titanic-violet-jessop--sie-ueberlebte-drei-schiffskatastrophen,12 018478,12099050.html (Titanic. Violet Jessop: Sie überlebte drei Schiffskatastrophen) [06.10.2014].

www.mittelbayerische.de/nachrichten/panorama/artikel/violet_jessop_ueberlebenskuens/775965/violet_jessop_ueberlebenskuens.html (Violet Jessop – Überlebenskünstlerin bei Schiffskatastrophen) [06. 10.2014].

www.noz.de/artikel/63140762/krankenschwester-violet-jessop-ueberlebte-die-schiffsungluecke-der-titanic-olympic-und-britannic (Dreimal dem nassen Tod entronnen. Krankenschwester Violet Jessop überlebte die Schiffsunglücke der Titanic, Olympic und Britannic) [06.10.2014].

www.spiegel.de/einestages/titanic-ueberlebende-violet-jessop-a-947536.html (Titanic-Überlebende Violet Jessop - Fräulein Unsinkbar) [06.10.2014].

Bildquelle: www.de.wikipedia.org/wiki/Violet_Jes sop [06.10.2014].

JESSOP, Violet Constance

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 130-132

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=425

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