Jun 17, 2019 Last Updated 8:11 AM, Jun 17, 2019

Who was who in nursing history: HEISE, Elsbeth
HEISE, Elsbeth
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 76-77.
 

Biographie

Am 11. Februar 1892 in der Hansestadt Stendal (Sachsen-Anhalt) geboren, legte Elsbeth Heise ihre Krankenpflege­prüfung 1915 in Berlin ab. Um 1930 absolvierte sie an der Werner-Schule vom Roten Kreuz [Otto Werner (1847-1923) in Berlin, die zur damaligen Zeit von Erna Wittich (1879-1962) geleitet wurde, eine berufliche Weiterbildung zur lei­tenden Krankenschwester und leistete 1931 an der Krankenpflegeschule der Städtischen Schwesternschaft in Dresden, die 1924 von Erna von Abendroth (1887-1959) eröff­net worden war, ein Praktikum ab. Während dieser Zeit lernte sie die dort tätige Schul­schwester Amalie Rau (1888-1974) kennen und, wie Heise 1974 ausdrücklich in einem kurzen Nachruf auf ihre frühere Prakti­kums-Schulschwester beteuerte, diese auch wegen ihres lebhaften Kontaktes zur Jugend und ihrer idealistischen Einstellung zum Pfle­geberuf als eine vorbildliche Persönlichkeit schätzen.

Nach dem Einsatz an mehreren Kliniken als Oberschwester stand Elsbeth Heise während dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) dem Pflegedienst der Universitätskliniken in Halle / Saale vor. Nähere Angaben über ihre Tätig­keit während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) sind bisher nicht bekannt.

Nach Kriegsende engagierte sich Elsbeth Heise am Wiederaufbau des Agnes-Karll-Verbandes (AKV) [Agnes Karll (1868-1927) dem heutigen Deutschen Berufsver­band für Pflegeberufe (DBfK). Im Jahre 1946 gründete sie in Hannover die Landesgruppe Niedersachsen des Agnes-Karll-Verbandes, dem sie zugleich als Vorsitzende lange Jahre vorstand. Überdies wirkte sie 1948 in Zu­sammenarbeit mit Erna von Abendroth (1887-1959) maßgeblich an der Gründung der Deutschen Schwesterngemeinschaft (DSG) mit, die bis zu ihrer Überleitung in den DBfK 1973 bestanden hat. Die DSG wurde am 1. September 1948 in Hannover ins Vereinsre­gister mit der Nr. 334 eingetragen, wobei die Satzung des Vereins Elsbeth Heise als 1. Vor­sitzende unterschrieben hatte. Den Vorsitz in der DSG gab sie 1957 an Ruth Elster (1913-2002) ab.

Mit der Gründung des DSG gewann die west­deutsche Krankenpflege wieder internationa­len Anschluss an den Weltbund der Kranken­schwestern und Krankenpfleger, den 1899 gegründeten Internationalen Council of Nur­ses (ICN). Die Mitgliedschaft der deutschen Krankenpflege im ICN war durch den Zwei­ten Weltkrieg unterbrochen worden. 1949 wurden erstmals wieder deutsche Kranken­schwestern zu einem internationalen Kon­gress eingeladen, der in diesem Jahr vom ICN – anlässlich seines 50-jährigen Bestehens – in Stockholm ausgetragen wurde. Elsbeth Heise nahm an der Veranstaltung als Delegations­leiterin teil. Damals nahm der ICN – unter ihrer Präsidentin von 1947 bis 1953, der Schwedin Gerda Hojer (1893-1974) – auch wieder die Bundesrepublik Österreich und Japan auf.

Bereits im Jahre 1947 war es Elsbeth Heise nach der beharrlichen Beseitigung von Li­zenzschwierigkeiten mit der britischen Besat­zungsmacht gelungen, die von Agnes Karll gegründete Verbandszeitschrift „Unterm La­zaruskreuz“ unter dem Titel „Die Agnes Karll-Schwester“ neu herauszubringen, aus der sich später – nach mehreren Namensände­rungen – die Verbandszeitschrift „Pflege Ak­tuell“ entwickelte. Im Januar 1948 veröffent­lichte Elsbeth Heise in der Zeitschrift einen Brief an die Schwestern, in dem sehr an­schaulich die nach Kriegsende auch für die Krankenpflege sehr schwierige Lage zum Ausdruck kommt: „Für unsere Schwestern der britisch besetzten Zone können wir mitteilen, daß der Kleiderstoff G4 für Waschkleider nun gewebt ist und in einer nicht sehr üppigen Zuteilung zur Anfertigung der Kleider unserer Firma übergeben wurde. Sobald die Kleider fertig sind, werden sie verteilt werden. Wir wollen dabei die Heimatvertriebenen und durch Kriegseinwirkung geschädigten Schwestern bevorzugt berücksichtigen. Ich bitte alle Schwestern, die nicht dringend Trachtstücke brauchen, diesmal zugunsten der Schwestern zu verzichten, die kaum Tracht besitzen. Es ist vom Zentralwirtschaftsamt gesagt worden, daß für 1948 abermals eine Zuteilung freigegeben werden soll. Mit der bisherigen Zuteilung könnte jede dritte Schwester ein Kleid bekommen und jede sechste Schwester eine Schürze. Die in Aus­sicht gestellten Strümpfe werden demnächst gewebt, angeblich werden es graue Strümpfe werden. Die bitterste Not sind unsere Schuhe! Bislang scheiterte jeder Versuch, eine Son­derzuteilung zu erlangen, am Materialmangel. Für die Verteiler ist es bestimmt nicht leicht, die vorhandene geringe Menge gerecht zu verteilen, denn die Not ist in allen Fällen gleich groß.“

In der Juni-Ausgabe der „Agnes Karll-Schwester“ des gleichen Jahres (1948) be­richtete Elsbeth Heise dann: „Die Kleiderlie­ferung ist wegen Transportschwierigkeiten etwas verzögert. Es ist anzunehmen, daß nach dem 20. Juni 1948 mit der Verteilung begon­nen werden kann. Vielleicht können wir im Herbst eine bescheidene Zahl Mäntel und Strickjacken verteilen. Eine geringe Zuteilung wurde in Aussicht gestellt. Ebenso sollen im Herbst nochmals Strümpfe geliefert werden, und zwar Söckchen und Kniestrümpfe für die Jugend und lange für die älteren Schwestern.“

Nach der Gründung der Landesgruppe Nie­dersachsen des Agnes-Karll-Verbandes pachtete Elsbeth Heise im Namen des Ver­bandes ein Grundstück mit einer Trümmer­ruine im Hannoverschen Stadtteil List mit dem Ziel, dort ein Krankenhaus aufzubauen. Elsbeth Heise erinnerte sich an ein Gespräch mit dem Notar: „Frau Oberin, Sie haben zu wenig Geld und zu viel Gottvertrauen, um solch ein Risiko zu wagen“, worauf Elsbeth Heise erwiderte: „Umgekehrt wäre es sehr viel schlechter und daher wage ich es trotz­dem, den Auftrag aus Gottes Hand zu nehmen und zu erfüllen.“

Bereits am 15. November 1950 konnte das Lister Krankenhaus (Kirchweg 18) seinen Betrieb aufnehmen. Wenngleich das Gebäude verbandspolitisch konzipiert worden war, trug es strukturell noch alle Züge eines Mutterhau­ses des 19. Jahrhunderts, indem Krankenhaus, Schwesternhaus und Krankenpflegeschule unter einem Dach vereinte. Im Jahre 1955 stellte der Verband direkt neben dem Kran­kenhaus ein Wohnheim, ein sogenanntes „Feierabendhaus“, fertig, dem Elsbeth Heise den Namen der von ihr verehrten Helene Blunck (1879-1953) ?j gab.

Elsbeth Heise hatte es verstanden, das Agnes-Karll-Haus in Hannover als ein internationa­les Begegnungszentrum für Krankenschwes­tern zu gestalten, in dem nicht nur Arbeitsta­gungen der DSG stattfanden, sondern auch ausländische Schwestern-Delegationen ein- und ausgingen.

Mit dem Bau des ersten Agnes-Karll-Kran­kenhauses, seit 1972 Lister Krankenhaus, das bis Ende 2003 vom DBfK geführt wurde und heute ein ambulantes Operationszentrum und Belegarztklinik in der Trägerschaft der Dia­konischen Dienste ist, hatte Elsbeth Heise ihren Verband in finanzieller Hinsicht bestens abgesichert. Das ursprünglich als Wohnheim und Ausbildungsstätte angelegte Gebäude im Lister Kirchweg 45 beherbergt noch heute die Geschäftsstelle des DBfK Nordwest e.V.

Neben ihrem ausgedehnten berufspolitischen und verbandspolitischen Engagement oblag Elsbeth Heise auch die Pflegedienstleitung des städtischen Nordstadt-Krankenhauses in Hannover. In dieser Funktion gehörte sie zu den wenigen Krankenschwestern der damali­gen Zeit, die sich für dieses Amt in einer be­ruflichen Weiterbildung qualifiziert hatten. Bis 1957 war Elsbeth Heise, die 1952 mit dem Bundesverdienstkreuz („Verdienstor­den“) der Bundesrepublik Deutschland ausge­zeichnet worden war, Oberin des Agnes-Karll-Verbandes in Niedersachsen. Nach Er­reichen des Rentenalters verbrachte sie ihren Lebensabend in Wolfsburg. Bis zu ihrem Tode am 22. Mai 1977 blieb Elsbeth Heise ihrem Lebenswerk eng verbunden. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Stadtfriedhof Ricklingen in Hannover auf der Grabanlage des Agnes-Karll-Verbandes, wo sie unter großer Anteilnahme ihrer Berufskolleginnen beigesetzt wurde.

In Erinnerung an ihr Wirken verleiht die Me­dizinische Fakultät der Martin-Luther-Univer­sität (MLU) in Wittenberge seit 2002 den Elsbeth-Heise Pflegepreis. Mit der Auszeich­nung, die auf Initiative der damaligen Pflege­direktion des Universitätsklinikums unter der Leitung von Diplom-Krankenschwester Ingrid Horn (bis 2010 im Amt) und Professor Dr. phil. Johann Behrens, dem Gründungsdirek­tors des Institutes für Gesundheits- und Pfle­gewissenschaft der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Witten­berg (bis 2014 im Amt), geschaffen wurde, sollen besondere Leistungen im Pflegebereich anerkennt und auszeichnet werden. Bewerben können sich alle an der Universität angestell­ten Pflegenden, alle immatrikulierten Studie­renden des Studienganges „Pflege- und Ge­sundheitswissenschaft“ und Auszubildende der Pflegeberufe am Universitätsklinikum.


Literatur

Heise, Elsbeth: Amalie Rau gestorben. In: Kranken­pflege, 28. Jg., Heft 5, 1974, Seite 202-203.

K.: Elsbeth Heise 85 Jahre. In: Krankenpflege, 31. Jg., Heft 2, 1977, Seite 53.

Klatt-Gumbrecht, Erna: Wir trauern um Elsbeth Heise. In: Krankenpflege, 31 Jg., Heft 7/8, 1977, Seite 252.

Kruse, Anna-Paula: Der Anfang nach dem Ende. Kran­kenpflegealltag in den Nachkriegsjahren. ATE Verlag. Zweite Auflage. Münster 2009, Seite 14 (1. Auflage, Münster 2008).

[Ohne Verfasser:] Mit Gottvertrauen gebaut – Elsbeth Heise. In: Die Schwester / Der Pfleger. Die füh­rende Fachzeitschrift für die Pflege, 49. Jg., Heft 12, Dezember 2010, Seite 1188.

Robert Bosch Stiftung (Hrsg.): Pflege neu denken. Zur Zukunft der Pflegeausbildung. Schattauer Verlag. Stuttgart, New York 2000 Seite 184-185.

Schmidt-Meinecke, Sigrid: [Fünfundsiebzig] 75 Jahre Weiterbildung für Schwestern im Deutschen Roten Kreuz 1903-1978. Text und Gestaltung: Sigrid Schmidt-Meinecke. Rank Verlag. Speyer [1978].

Wittneben, Karin: Elsbeth Heise. In: Horst-Peter Wolff (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Pflegege­schichte. „Who was who in nursing history“, [Band 1]. Verlag Ullstein Mosby. Berlin, Wiesbaden 1997, Seite 76-77.

www.dbfk.de/regionalverbaende/nw/rvnw.php (Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe) [15.11.2014].

www.ads-pflege.de/chronik.shtml (ADS - Arbeitsge­meinschaft christlicher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen in Deutschland e.V.: A D S - Unsere Arbeit. Geschichte der A D S) [15.11.2014].

www.de.dbpedia.org/page/Elsbeth_Heise [15.11.2014].

www.de.wikipedia.org/wiki/Elsbeth_Heise [15.11.2014].

www.halle.gesundheit-sachsen-anhalt.de/index.php?i d=282&cid=1528&suchtext=halle (Elsbeth-Heise-Pflegepreis 2002 wird am 16. April verliehen) [15. 11.2014].

www.listerkrankenhaus.de.k1969.ims-firmen.de/cfscri pts/main.cfm?auswahl=01 [15.11.2014].

[Zehn] 10 Jahre Deutsche Schwesterngemeinschaft e.V. 1948-1958. Deutsche Schwesterngemein­schaft. Kohlhammer Verlag. Stuttgart 1958 (Son­derdruck aus: Deutsche Schwesternzeitung, 1958, 9).

Bildquelle: Die Schwester / Der Pfleger, 49. Jg., Heft 12, Dezember 2010, Seite 1188.

HEISE, Elsbeth

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 76-77

Onlinezitation

 
Permalink:
www.hpsmedia.info/
care/whowaswhodetail.php?id=419

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