Mar 23, 2019 Last Updated 4:49 PM, Mar 21, 2019

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Who was who in nursing history: FALTLHAUSER, Valentin
FALTLHAUSER, Valentin
Artikel von: Hubert Kolling
Erschienen in Band 7, Seite(n) 75-80.
 

Biographie

Valentin Faltlhauser wurde am 28. No­vember 1876 im nie­derbayerischen Wie­senfelden als Sohn eines Gutsverwalters geboren. Nachdem er in Amberg sein Abitur abgelegt hatte, begann er an der Universität Mün­chen ein Studium der Rechtswissenschaften, das er nach einem Se­mester wieder aufgab, um Medizin zu studie­ren. Bereits 1899 nach Erlangen gewechselt wurde er nach Beendigung seines Studiums 1903 Hilfs- und 1904 Assistenzarzt in der Kreisirrenanstalt Erlangen. Nachdem er an der Universität Erlangen 1906 zum Doktor der Medizin promoviert hatte, leistete er als sogenannter Einjähriger seinen Wehrdienst ab, zuletzt im Rang eines Sanitätsoffiziers. Von Oktober 1914 bis Mitte Juni 1918 nahm Faltlhauser als Regimentsarzt des bayerischen Reserve-Infanterie-Regiments 20 am Ersten Weltkrieg (1914-1918) teil.

Nach Kriegsende gelang es Gustav Kolb (1870-1938), dem Direktor der Erlanger An­stalt, mit seinem Oberarzt Faltlhauser sein reformerisches Konzept der „Offenen Für­sorge“ umzusetzen, das auf eine radikale Re­form der Psychiatrie zielte: Statt die Patienten wie bisher in Kliniken zu internieren, sollten sie individuell zu Hause betreut und zugleich ein Unterstützungsnetzwerk für chronisch psychisch kranke Menschen aufgebaut wer­den. Valentin Faltlhauser, der zugleich die Funktion des Fürsorgearztes ausübte, war von diesem Ansatz begeistert und gehörte schließlich zu den führenden Reformpsychi­atern Deutschlands. Im November 1929 zum Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeu­ren mit der Nebenstelle Irsee (Ostallgäu / Bayerisch Schwaben) ernannt, begann er ebenfalls mit dem Aufbau einer „Offenen Fürsorge“ und sprach sich gegen „jedes Zwangsvorgehen“ aus.

Während Obermedizinalrat Faltlhauser noch 1932 in seinem Lehrbuch der Psychiatrischen Krankenpflege – in der Erstauflage 1923 un­ter dem Titel „Geisteskrankenpflege“ erschie­nen – die Behandlung chronisch Kranker prä­ferierte und Euthanasiemaßnahmen ablehnte, übernahm er nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten (1933) deren rassen- und gesundheitspolitischen Zielsetzungen. So gründete er eine Ortsgruppe der „Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene“ (zur Ver­vollkommnung der Rasse) und wurde Mitar­beiter des Rassenpolitischen Amtes der Nati­onalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Zudem wurde er 1934 Beisitzer beim „Erbgesundheitsgericht“ in Kempten und entschied über Zwangssterilisationen. Valentin Faltlhauser wirkte zudem im „Reichsausschuss zur wissenschaftlichen Er­fassung von erb- und anlagebedingten Lei­den“ – einer Einrichtung, welche die Kinder-Euthanasie vorbereitete – und am „Eutha­nasiegesetz („Gesetz über Sterbehilfe bei un­heilbar Kranken“) mit. Seit dem 6. September 1940 war Faltlhauser schließlich auch als „T4-Gutachter“ tätig.

Bis August 1941 wurden über 600 Patienten aus der Anstalt Kaufbeuren in den Gaskam­mern der NS-Tötungsanstalten Schloss Gra­feneck (Baden-Württemberg) und Schloss Hartheim bei Linz (Österreich) ermordet. Nach Beendigung der Aktion T4 wandte Faltlhauser im Rahmen der „dezentralen Eu­thanasie“ andere Tötungsmethoden an. Er ließ Patienten mittels sogenannter „E-Kost“ („Entzugskost“) gezielt verhungern und durch Medikamente ermorden. Hierzu hatte er im Dezember 1941 sowohl in Kaufbeuren als auch in Irsee eine „Kinderfachabteilung“ (so das zeitgenössische Tarnwort für den Kin­dermord) eingerichtet. Wurde ein Kind darin eingewiesen, ließ man zunächst einige Zeit vergehen, bevor das Opfer getötet wurde. Die Eltern sollten nicht misstrauisch werden, zu­mal man ihnen eine „neuzeitliche Therapie“ versprochen hatte. Faltlhauser beschrieb die Prozedur so: „Ein Teil der Kinder wurde un­mittelbar zur Tötung in die Heil- und Pflege­anstalt Kaufbeuren eingeliefert, während an­dere Kinder und zwar weitaus der größere Teil zunächst zur Beobachtung eingeliefert wurde. Soweit die Kinder zur Beobachtung eingeliefert wurden, wurde nach einiger Zeit von mir ein Befund an den Reichsausschuß gesandt. Nach Einsendung dieses Befundbe­richtes bekam ich für einzelne Kinder vom Reichsausschuß die sogenannte Ermächtigung zur ‚Behandlung‘. [...] Die Tötung der Kinder erfolgte in der Weise, daß die Kinder mehr­fach eine Dosis Luminal in Tabletten einge­geben bekommen und am Schluß eine Spritze mit Morphium-Scopolamin erhalten haben. Der Tod trat im Allgemeinen nach zwei bis drei Tagen ein.“

Insgesamt wurden in Kaufbeuren 221 – kei­neswegs nur kranke – Kinder und Jugendliche mit Tabletten und Spritzen umgebracht. Die Aufgabe, die Kinder zu vergiften, überließ der jeweilige Arzt im Regelfall eingeweihten Schwestern und Pflegern. Eine Schwester der Anstalt Kaufbeuren – laut dem „Jahresbericht der Kreis Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren Irsee 1944“ arbeiteten in der Einrichtung 5 Ärzte, 63 Pfleger und 88 Pflegerinnen (ein­schließlich 14 Ordensschwestern) – erinnerte sich: „Ich habe in der Folgezeit Kinder nur auf Anweisung des Direktors Faltlhauser eu­thanasiert. Dr. Faltlhauser bezeichnete mir jeweils genau die Kinder, die ‚behandelt‘ werden mußten, und die Dosis, die ich den Kindern zu verabreichen hatte. Als Tötungs­mittel kam fast nur Luminal in Tablettenform, selten in flüssiger Form, und nur vereinzelt zusätzlich Morphium-Scopolamin in Frage. Die Luminaltabletten wurden im Tee aufge­löst und so eingegeben. Luminalspritzen wur­den nur da angewandt, wo ein Kind Schluck­beschwerden hatte. Die ganze ‚Behandlung‘ dauerte durchschnittlich zwei bis drei Tage. [...] Direktor Faltlhauser verordnete für jedes Kind genau die Dosis, die es zu bekommen hatte. Er sagte mir dabei offen, daß dieses und jenes Kind euthanasiert werde werden müsse und daß er die Verantwortung dafür über­nehme.“

Bei Kriegsende wurde Valentin Faltlhauser durch Angehörige der US-Army festgenom­men. Gemeinsam mit vier weiteren Angehö­rigen des Kaufbeurer beziehungsweise Irseer Anstaltspersonal – die Krankenschwester Pauline Kneißler (1900-?) war im April 1945 zunächst ihrer Verhaftung durch Flucht ent­gangen und die Krankenschwester Wanda von Kolakowski (1890-1945) ?p hatte sich ihrer Verantwortung durch Suizid entzogen – wurde er vor dem Landgericht Augsburg we­gen Beteiligung an Euthanasieverbrechen angeklagt. Faltlhauser erklärte vor Gericht, er sei als „Staatsdiener dazu erzogen gewesen, den Anordnungen Gefolge zu leisten, also auch den als Gesetz zu betrachtenden Erlaß betr. Euthanasie“. Am 30. Juli 1949 verur­teilte ihn das Schwurgericht wegen „Anstif­tung zur Beihilfe zum Totschlag in mindes­tens 300 Fällen“ zu drei Jahren Gefängnis. Das Urteil bescheinigte ihm, er habe aus „Er­wägungen ethischer Natur“ gehandelt. Für ihn sei „das Mitleid, eine der edelsten Beweg­gründe menschlichen Handelns“ gewesen. Seine Taten galten nicht als Mord oder als Beihilfe zum Mord, sondern lediglich als Bei­hilfe zum Totschlag – eine Strafe von äu­ßerster Milde, wie auch im Falle der beiden Schwestern Mina Wörle (1895-1973) ?p (18 Monate Gefängnis) und Olga Rittler (1901-1979) ?p (21 Monate Gefängnis) sowie des Pflegers Paul Heichele (1896-1979) ?p (ein Jahr Gefängnis) und des Verwal­tungsinspektors Georg Frick (1893-1978) (Freispruch).

Nach dem wiederholten Aufschieben der Vollstreckung der Gefängnisstrafe wegen Haftunfähigkeit wurde Valentin Faltlhauser im Dezember 1954 durch den bayerischen Justizminister nicht nur begnadigt, sondern bekam auch seine zuvor gestrichene Pension bewilligt. Valentin Faltlhauser starb am 8. Januar 1961 im Alter von 84 Jahren in einem Münchner Altersheim.

Abgesehen von seiner Beteiligung an der NS-„Euthanasie“, die er in enger Abstimmung mit bestimmten Pflegepersonen durchführte, kommt Valentin Faltlhauser in der Pflegege­schichte eine besondere Bedeutung zu, weil er 1923 – damals als Oberarzt der Heil- und Pflegeanstalt Erlangen – das Buch die „Geis­teskrankenpflege. Ein Lehr- und Handbuch zum Unterricht und Selbstunterricht für Irren­pfleger und zur Vorbereitung auf die Pfleger­prüfung“ veröffentlichte, das bis 1939 vier erweiterte Auflagen erlebte. Neben dem „Grundriss der Krankenpflege“ von Friedrich Brunner (1858-1940) , dem „Leitfaden für Irrenpfleger“ von Ludwig Scholz (1868-1918) , und „Die Pflege der Gemüts- und Geisteskranken. Lehr- und Handbuch für das Pflegepersonal“ von Walter Morgenthaler (1882-1965) ?p diente dieses Werk über gut drei Jahrzehnte hinweg im gesamten deut­schen Sprachraum als Grundlage des Unter­richts der entsprechenden Ausbildungsein­richtungen.

Zur Bedeutung und Intention seiner Veröf­fentlichung schreibt Faltlhauser 1923 im Vorwort: „Seit mehreren Jahren mit der Ab­haltung von Ausbildungskursen für das Pfle­gepersonal betraut, empfand ich mehr und mehr das Fehlen eines Buches, das gerade die für den Geisteskrankenpfleger wichtigsten Anweisungen in der eigentlichen Irrenpflege in erforderlicher Ausführlichkeit darstellt. Ich ging deshalb daran, den Unterricht über die Erfordernisse einer modernen Irrenpflege auf etwas breitere Basis zu stellen und vor allem den einzelnen täglichen Dienstverrichtungen mehr anzupassen. Der Erfolg dieses Strebens ist dieses Buch. Es soll nicht den ausgezeich­neten, unübertroffenen Leitfaden von Scholz etwa ersetzen, er soll ihn lediglich ergänzen. Es kann ihn ja auch nicht ersetzen, da ich in meinem Buche mit Absicht die rein körperli­che Krankheitspflege völlig unberücksichtigt gelassen habe. Das Buch soll den Zwecken eines erweiterten Unterrichtes dienen, wie er nunmehr notwendig werden wird, wenn die definitive Anstellung als Pfleger an die Vor­bedingung einer Pflegerschule mit abschlie­ßender Prüfung geknüpft wird.“

Während der NS-Zeit hatte der einst reform­begeisterte Faltlhauser seine Ansichten radi­kal verändert, was sich auch in den Folgeauf­lagen seines Lehrbuchs ausdrückte. Vor dem Hintergrund der seinerzeitig beabsichtigten Neuregelung der Ausbildung für „Kranken­pfleger“ und „Geisteskrankenpfleger“ – bei der die Ausbildung in der allgemeinen Kran­kenpflege Voraussetzung für eine Spezialaus­bildung sein sollte („Gesetz zur Ordnung der Krankenpflege“ vom 28. September 1938) – hält Faltlhauser 1938 zur Bedeutung und In­tention der vierten Auflage seines Lehrbuchs fest: „Dieses Bestreben, auch den Irrenpfleger zunächst in der allgemeinen Krankenpflege nach einem bestimmten Plan auszubilden, mußte die Neubearbeitung eines Lehrbuchs für Irrenpfleger zwangsläufig in eine be­stimmte Richtung drängen. Eine Neubearbei­tung mußte sich noch mehr als bisher auf das Spezialfach des Irrenpflegers beschränken unter bewußter Außerachtlassung aller Lehr­gebiete der übrigen Krankenpflege. Die Neu­bearbeitung mußte damit so eingerichtet wer­den, daß sie eine Vereinigung des Scholz`schen Leitfadens und meines Lehr­buchs darstellt. […] Die Neubearbeitung der ‚Geisteskrankenpflege‘ konnte demnach nichts anderes sein als ein Sonderlehrbuch für das Sonderfach ‚Irrenpflege‘.“

Ganz allgemein zum „Beruf des Irrenpfle­gers“ schreibt Faltlhauser: „Wer Geistes­kranke pflegen will, muß sich darüber klar sein, daß Geisteskrankenpflege Kranken­pflege ist. Daraus ergibt sich, daß für einen Geisteskrankenpfleger zur Eignung für die allgemeine Krankenpflege noch eine beson­dere Eignung im Umgang mit Geisteskranken kommen muß. Wer sich der Krankenpflege widmet, muß sich von vorneherein bewußt sein, daß an ihn besonders ernste und schwere Pflichten herantreten, die einen gefestigten Charakter, Selbstbeherrschung, Selbstver­leugnung, Aufopferungsfähigkeit, Pflichtge­fühl und Fleiß, dazu körperliche und geistige Gesundheit erfordern.“

Im Hinblick auf die gewandelten politischen Verhältnisse ergänzt er sodann: „Positive Ein­stellung zum nationalsozialistischen Staate ist dabei selbstverständlich, schon mit aus dem Grunde, weil der Krankenpfleger sonst nicht imstande wäre, die Lebensgrundgesetze, wel­che die Grundpfeiler nationalsozialistischer Weltanschauung bilden und auch im Berufs­kreis des Krankenpflegers eine unendlich wichtige Rolle spielen, zu begreifen.“

„Ordnungsliebe und Sauberkeit“, so Faltlhau­ser in seinen allgemeinen Ausführungen wei­ter, „sind ebenso wichtig für den Kranken, der gepflegt wird, wie für den Krankenpfleger selbst. Unreinlichkeit und Unordnung be­günstigen ansteckende Krankheiten. Unge­pflegtes Äußere empfiehlt nicht, es stößt ab und läßt von Anfang an das notwendige Ver­trauen nicht aufkommen. Ehrlichkeit und Verschwiegenheit sind Forderungen, deren Mißachtung auch nach dem Strafgesetzbuch geahndet wird. Wahrheitsliebe und Aufrich­tigkeit sind notwendig, weil der Arzt, der nicht immer um den Kranken sein kann, auf die Angaben des Krankenpflegers angewiesen ist. Von seinen Angaben hängt oft Wohl und Wehe, hängt manchmal Genesung oder Tod ab.“

Im Hinblick auf das Verhältnis zwischen dem Arzt und dem Krankenpfleger sowie die Ei­genschaften der Pflegepersonen in der Psy­chiatrie schreibt Faltlhauser: „Der Kranken­pfleger muß sich den ärztlichen Anordnungen unterordnen können. Auch scheinbar unwich­tige und ihm unverständliche Anordnungen für die Pflege des Kranken müssen ohne Wi­derspruch vollzogen werden. […] Vergeß­lichkeit ist ein ebenso großer Fehler wie Un­achtsamkeit und Nachlässigkeit. Kranken­pflege ist keine Fabrikarbeit, die stets mit dem Glockenschlag abgebrochen werden kann. Die Geisteskrankenpflege erfordert noch manches Mehr an Kenntnissen, aber auch an persönlichen Eigenschaften. Verlangt die Pflege des körperlich Kranken schon Geduld, so braucht der Geisteskrankenpfleger darüber hinaus Geduld und nochmals Geduld.“

Im Kapitel „Allgemeines über den Umgang mit Geisteskranken“ hält Faltlhauser über die Eigenschaften des Pflegepersonals fest: „Ruhe, Geduld und Mitgefühl sind die Eige­schaften, die den Krankenpfleger von Eig­nung auszeichnen müssen. Je unruhiger, drängender und aufgeregter ein Kranker ist, umso ruhiger und überlegter muß der Pfleger in Wort und Handeln sein. Wer seine Nerven nicht im Zaun hat, wer aufbraust, schimpft, paßt nicht zum Geisteskrankenpfleger. […] Ein Krankenpfleger, der einen seiner Pfleg­linge verspottet, reizt, beschimpft, neckt, ist kein Krankenpfleger. Er beweist, daß er an einem falschen Platze sich befindet. Er be­weißt, daß er dumm oder roh ist, beides Ei­genschaften, die in der Krankenpflege un­möglich sind.“

Die wichtigste Aufgabe eines „Geisteskran­kenpflegers“ sah Faltlhauser in der fortlau­fenden Beobachtung seiner Kranken: „Nur aus einer fortlaufenden Beobachtung ergeben sich die Grundlagen für eine richtige Beur­teilung und Behandlung der Kranken. Nur wenn sie gewährleistet ist, kann allenfalls drohendes Unheil verhütet werden. Der Arzt ist nicht in der Lage, alle notwendigen Be­obachtungen selbst zu machen. Er ist auf die verständnisvolle Unterstützung des Pflegers angewiesen. Auch die scheinbar unwichtigste Äußerung des Kranken kann hier wichtig sein. Es ist ein Mangel an Befähigung zum Pflegerberufe, wenn man nichts zu melden weiß. Der Pfleger soll alles melden, was der Arzt an einem Kranken nicht selbst sehen, von ihm nicht selbst hören konnte.“

Im Jahre 1934 veröffentlichte Valentin Faltl­hauser die Schrift „Erbpflege und Rassen­pflege“ (2. Auflage 1937) und 1939 ein „Kur­zer Leitfaden der allgemeinen Kranken­pflege“. Letzteres trug den Untertitel „Auf Grund der 23. Auflage des Scholz'schen ‚Leit­fadens für Irrenpfleger‘ und als Ergänzung zur 4. Auflage seines Lehr- und Handbuches ‚Geisteskrankenpflege‘“. Nach Hinweisen auf die Ausbildungsunterschiede im Hinblick auf den „allgemeinen Krankenpfleger“ und den „Irrenpfleger“ hält der Autor im Vorwort zur Bedeutung und Intention der 96 Seiten umfas­senden Schrift fest: „Wenn dieser nun er­scheinende ‚Kurze Leitfaden der allgemeinen Krankenpflege‘ vielleicht auch nicht alle An­forderungen, die im zukünftigen Unterricht an den Irrenpflegeschüler in Bezug auf die all­gemeine Krankenpflege gestellt werden müs­sen, zu erfüllen vermag, so wird er nach mei­ner Meinung doch eine brauchbare Grundlage für den Unterricht und insbesondere auch für den Pflegeschüler abgeben, wenn er vor der Prüfung noch einmal kurz die wichtigsten Grundsätze einer allgemeinen Krankenpflege überholen will. Auch dem älteren Pfleger kann er dienen, wenn er vielleicht Vergesse­nes auffrischen will.“

Aufgegliedert in zwei Abschnitte – „Die Lehre vom Bau und den Verrichtungen des menschlichen Körpers“ (Seite 5-37) sowie „Die Krankenpflege“ (Seite 37-96) – schreibt Faltlhauser einleitend zur Rolle des Pflege­personals: „Die Aufgabe des Pflegers besteht in der Wartung der Kranken, die seiner Obhut anvertraut sind. Seine Tätigkeit übt er nach Anweisung des Arztes aus. Er ist also dessen Gehilfe und als solcher ihm untergeordnet. Dieser seiner Stellung sei er sich stets bewußt und merke sich, daß er in ärztlichen Angele­genheiten weder mitsprechen kann noch darf. Ihm liegt es ob, in Abwesenheit des Arztes zu beobachten, diesem zu berichten, seine An­ordnungen auszuführen, nicht aber darf er sich gemüßigt sehen, dem Arzte Rat zu ertei­len oder gar Änderungen an seinen Anord­nungen vornehmen zu wollen. Gänzlich un­angebracht wäre es, die Anordnungen des Arztes zu bekritteln.“

In seiner Rolle als Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee gehörte Va­lentin Faltlhauser zudem zum Herausgeber­kollegium der „Geisteskrankenpflege. Mo­natsschrift für Geisteskranken- und Kranken­pflege zur Belehrung und Fortbildung des Pflegepersonals an Heil- und Pflegeanstal­ten“, in der er beispielsweise 1924 den Bei­trag „Ein Fürsorgetag“ veröffentlicht hatte. Die Schriftleitung der 1897 von Dr. med. Konrad Alt (1861-1922) , dem Leiter der Landesheil- und Pflegeanstalt Uchtspringe, unter dem Namen „Die Irrenpflege“ (1930 umbenannt in „Geisteskrankenpflege“) ge­gründeten Zeitschrift lag in Händen von Sa­nitätsrat Dr. med. Karl (Carl) Wickel(1870-1949)  und trug ursprünglich den Unter­titel „Monatsblatt zur Hebung, Belehrung und Unterhaltung des Irrenpflegerpersonals, mit besonderer Berücksichtigung der freien Be­handlung, der kolonialen und familiären Krankenpflege unter ständiger Mithülfe erfah­rener Irrenärzte und Anstaltsbeamten“.


Literatur

Braunschweig, Sabine: Zwischen Aufklärung und Betreuung. Berufsbildung und Arbeitsalltag der Psychiatriepflege am Beispiel der Basler Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt, 1886-1960. Chronos Ver­lag. Zürich 2013, Seite 117.

Cranach, Michael von / Siemen, Hans-Ludwig (Hrsg.): Psychiatrie im Nationalsozialismus. Die Bayeri­schen Heil- und Pflegeanstalten zwischen 1933 und 1945. Oldenbourg Verlag. München 1999.

Faltlhauser, Valentin: Ein Fürsorgetag. In: Die Irren­pflege. Monatsschrift für Irren- und Krankenpflege zur Belehrung und Fortbildung des Pflegepersonals 28 (1924), Seite 97-108.

Faltlhauser, Valentin / Roemer, Hans / Kolb, Gerhard: Die offene Irrenfürsorge in der Psychiatrie und ih­ren Grenzgebieten. Berlin 1927.

Faltlhauser, Valentin: Geisteskrankenpflege. Ein Lehr- und Handbuch zum Unterricht und Selbstunterricht für Irrenpfleger und zur Vorbereitung auf die Pfle­gerprüfung. Carl Marhold Verlag. Halle an der Saale. 1923 (164 Seiten).

Faltlhauser, Valentin: Geisteskrankenpflege. Ein Lehr- und Handbuch zum Unterricht und Selbstunterricht für Irrenpfleger und zur Vorbereitung auf die Pfle­gerprüfung. 2., erweiterte Auflage. Carl Marhold Verlag. Halle an der Saale. 1923 (190 Seiten).

Faltlhauser, Valentin: Geisteskrankenpflege. Ein Lehr- und Handbuch zum Unterricht und Selbstunterricht für Irrenpfleger und zur Vorbereitung auf die Pfle­gerprüfung. Halle an der Saale. 3. neu durchgese­hene Auflage. Carl Marhold Verlag. Halle an der Saale. 1923 (200 Seiten).

Faltlhauser, Valentin: Geisteskrankenpflege. Ein Lehr- u. Handbuch für Irrenpfleger. Zusammen mit Lud­wig Scholz. 4. Auflage, zugleich 24. Auflage des „Leitfadens für Irrenpflege“. Carl Marhold Verlag. Halle 1939 (142 Seiten).

Faltlhauser, Valentin: Erbpflege und Rassenpflege. Gleichzeitig Nachtrag zu „Leitfaden für Irrenpfle­ger“ von Ludwig Scholz, bearbeitet von Adolf Dannemann. Carl Marhold Verlag. Halle 1934 (20 Seiten). 2., überarbeitete Auflage. Carl Marhold Verlag. Halle 1937 (16 Seiten).

Faltlhauser, Valentin: Kurzer Leitfaden der allgemei­nen Krankenpflege: Auf Grund der 23. Auflage des Scholz'schen „Leitfadens für Irrenpfleger“ und als Ergänzung zur 4. Auflage seines Lehr- und Hand­buches „Geisteskrankenpflege“ bearbeitet von [Valentin] Faltlhauser. Carl Marhold Verlag. Halle 1939 (96 Seiten).

Heuvelmann, Magdalene: „Wer in einer Gottesferne lebt, ist im Stande, jeden Kranken wegzuräumen.“ „Geistliche Quellen“ zu den NS-Krankenmorden in der Heil- und Pflegeanstalt Irsee. Für das Bil­dungswerk des Bayerischen Bezirkstags herausge­geben von Stefan Raueiser und Michael von Cranach (Impulse Band 7). Grizeto Verlag. Irsee 2013.

Klee, Ernst: „Euthanasie“ im Dritten Reich. Die „Ver­nichtung lebensunwerten Lebens“. Vollständig überarbeitete Neuausgabe. Fischer-Taschenbuch-Verlag. Frankfurt am Main 2010, Seite 119, 228, 241, 301, 306-307, 429-431, 440, 443, 452-453.

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Klee, Ernst: Deutsche Medizin im Dritten Reich. Kar­rieren vor und nach 1945. S. Fischer Verlag. Frank­furt am Main 2001, Seite 89.

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www1.jur.uva.nl/junsv/brd/files/brd162.htm (Justiz und NS-Verbrechen, Band V: Verfahren Nr. 148-190; hier: Nr. 162 Faltlhauser, Valentin) [24.09. 2014].

Bildquelle: www.dgppn.de/dgppn/geschichte/national sozialismus/wanderausstellung/kapitel-der-wander ausstellung.html [24.09.2014].

FALTLHAUSER, Valentin

Version vom: 
2017-10-20

Zitation

Hubert Kolling. (Hrsg.): 

Kolling, H., Beitrag von Hubert Kolling, in: Biographisches Lexikon zur Pflegegeschichte. Who was who in Nursing history. Band 7. hpsmedia, 2017. S. 75-80

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